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Neuigkeiten aus dem Diabetes-Projekt

indische MahlzeitDiabetes ist eine Erkrankung, bei der sich über einen langen Zeitraum zu viel Zucker im menschlichen Blut befindet. Solange der Blutzuckerspiegel nicht extrem hoch ist, verspüren die Betroffenen davon akut keine Beschwerden. Aber wie Wasser sich nach und nach durch Stein und Felsen arbeitet, so schädigt der Zucker auf Dauer die Blutgefäße und die Nerven in verschiedenen Organen und Körperteilen. Besonders empfindlich darauf reagieren vor allem die Nieren, die Augen und die Füße. Diabetiker*innen bekommen in Folge ihrer Erkrankung häufiger Herz-Kreislauf-Probleme wie Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Organisation Calcutta Rescue versucht, bei möglichst vielen Patient*innen diese Folgeschäden von Diabetes zu verhindern. In erster Linie erhalten die Patient*innen dazu Medikamente, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Es werden aber auch die Füße angeschaut, Augen und Nieren regelmäßig kontrolliert, so dass Folgeschäden möglichst frühzeitig erkannt werden und ihr Voranschreiten verhindert werden kann. Da die Erkrankung langsam voranschreitet und meist erst einmal beschwerdefrei verläuft, ist es um so wichtiger, dass die Patient*innen ausreichend Informationen über ihre Erkrankung erhalten, damit sie die notwendige Motivation bekommen, die Medikamente regelmäßig anzuwenden und ihren Lebensstil an die Erkrankung anpassen. Daher hat Calcutta Rescue schon seit vielen Jahren die Health Education, eine Aufklärungsprogramm über Gesundheit, fest in seine Arbeit integriert. Hier erfahren die Menschen z.B. welche Ernährung bei Diabetes sinnvoll ist.

Trotz alledem gibt es aber Patient*innen, die nicht die gewünschten Blutzuckerwerte erreichen. Für sie geht Calcutta Rescue seit Dezember 2021 noch einen Schritt weiter mit dem neuen Photovoice Projekt. Dabei werden die Patient*innen aufgefordert zu fotografieren, wie sie ihr Insulin anwenden, wie sie es lagern und was sie für Mahlzeiten zu sich nehmen. Die Fotos schicken sie anschließend mit ihrem Smartphone an die Ärzt*innen von Calcutta Rescue, die somit kontrollieren können, ob die richtige Spritztechnik für das Insulin angewendet wird, ob das Insulin auch bei tropischen Außentemperaturen ausreichend kühl bleibt und wie viele Kohlenhydrate die Diabetiker*innen z.B. in Form von Reis zu sich nehmen. Inzwischen sind 25 Diabetiker*innen aktiv bei Photovoice dabei.

So auch eine 52-jährige Frau, die neben ihrem Diabetes noch an Herzschwäche und an Bluthochdruck leidet und zudem 2018 einen Herzschrittmacher erhielt. Sie erhält mehrere verschiedene Medikamente, um den Blutzucker zu senken. Trotzdem lag ihr Langzeitzuckerwert im Februar 2020 bei 10%, also weit weg von den gewünschten 6,5%. Als sie im Dezember 2021 in das Photovoice-Projekt aufgenommen wurde, wurde ihr und ihrer Familie ausführlich erklärt, welchen Zweck das Projekt verfolgt und wie sie daran teilnehmen kann. Seither schickt sie dreimal die Woche Fotos an die Ärzt*innen von Calcutta Rescue. Der Erfolg lies nicht lange auf sich warten: im August 2022 lag ihr Langzeitwert bei 7,2%, damit bereits deutlich näher an dem Zielwert.

Schade ist nur, dass mit dem Photovoice-Projekt die Menschen, die kein Zugang zu einem Smartphone haben, nicht erreicht werden können. Trotzdem hofft Calcutta Rescue, das Projekt ausweiten zu können. An finanzieller Unterstützung soll es nicht mangeln. Wir haben dieses Jahr in unserem Verein beschlossen, das Diabetes Projekt für drei weitere Jahre mit jährlich 20.000 € von Deutschland aus zu unterstützen, damit die derzeit insgesamt 243 Patient*innen mit Diabetes des Typs 2 weiterhin eine gute Versorgung erhalten.

Monika Faißt