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Indien
 

Calcutta Rescue Deutschland e.V. fördert Projekte in dem indischen Bundesstaat Westbengalen und dessen Hauptstadt Kolkata.

 

Westbengalen

Westbengalen ist ein indischer Bundesstaat im Nordosten des Landes. Die mehr als 91 Millionen Einwohner gehören zum größten Teil der Bevölkerungsgruppe der Bengalen an. Offizielle Sprachen sind Bengalisch und Englisch.

Hindus stellen rund 73 Prozent der Bevölkerung. Dann folgen Muslime mit 25 Prozent, zu den anderen 2 Prozent gehören Sikhs und Christen.

 
Einwohner
in Millionen1
83
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Deutschland   Westbengalen

Westbengalen ist bekannt für seinen kulturellen Reichtum, seine Küche, seine Bildungsinstitutionen und seinen politischen Aktivismus. Die Region spielte eine wichtige Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung Anfang des letzten Jahrhunderts. Von 1977 an wurde der Bundesstaat 34 Jahre lang von einer kommunistischen Regierung geführt. Der Staat hat viele berühmte Schriftsteller, Musiker, Filmemacher und Künstler hervorgebracht.

Westbengalen unterscheidet sich von den meisten anderen indischen Bundesstaaten durch seine Vorliebe für Fußball neben der Nationalsportart Kricket.
 

Kolkata

 

Lebenserwartung
in Jahren1

Lebenserwartung

Kolkata ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen. Sie wurde im 17. Jahrhundert von einem Engländer gegründet. Während der Kolonialzeit erhielt sie den englischen Namen Calcutta, sie wurde jedoch 2001 offiziell in den bengalischen Namen Kolkata unbenannt. In Deutschland ist die Bezeichnung Kalkutta am meisten verbreitet.

Bis 1911 war Kolkata Hauptstadt der britischen Kolonialmacht in Indien. Doch spätestens mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 verlor Kolkata zunehmend an Bedeutung. Mit der Teilung des Subkontinents rutschte die Stadt an den östlichen Rand des Landes. Tausende von Flüchtlingen aus Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch, strömten nach 1947 in die Stadt. Hinzu kamen Binnenmigranten: Bis heute kommen viele von ihnen aus Bihar und anderen angrenzenden Bundesstaaten in der Hoffnung auf Arbeit, auf ein wenig Zukunft. Kolkata platzte schier aus allen Nähten: Es entstanden illegale Siedlungen, teils Slums. Das rasante Wachstum Kolkatas brachte die Stadt und ihre Infrastruktur schnell an ihre Grenzen.

 

Alphabetisierungsrate
2011 in Westbengalen1

Alphabetisierungsrate MännerAlphabetisierungsrate Frauen

Die Wasserver- und Abwasserentsorgung, wie sie noch unter britischer Herrschaft gebaut wurde, war für wenige Millionen Menschen ausgelegt. Doch zwischen 1950 und 2000 verdreifachte sich die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner. Mit den bei der letzten Volkszählung 2011 über 14 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern1 ist die Metropolregion zurzeit die achtgrößte urbane Agglomeration weltweit. Kolkata hat eine Bevölkerungsdichte von 24.000 Menschen pro km² - fast zehnmal so hoch wie in Köln. Über 30 Prozent der Menschen im Stadtgebiet Kolkatas leben in Slums3.

Kolkata liegt nicht, wie es in einem Schlager heißt am Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus, sondern an seinem Seitenarm, dem Hugli. Über den Fluss führt eine der verkehrsreichsten Brücken der Welt nach Howrah. Sie ist ein bekanntes Symbol der Stadt und heißt offiziell Rabindra Brücke: Nach dem bedeutsamen und bis heute einflussreichen bengalischen Dichter und Reformator Rabindranath Tagore. Der Literaturnobelpreisträger (1913) ist ein Kind Kolkatas – er wurde 1861 in der Stadt geboren und verstarb dort 1941.

Die Stadt ist bekannt als kulturelle Hauptstadt Indiens. Sie ist ein Zentrum des Theaters und der Musik. Es gibt eine Vielzahl von Festivals, Hochschulen und Kunst-Akademien. Die Stadt verfügt über eine pulsierende Filmszene. Zu den wichtigsten Festen Kolkatas zählt die Durga Puja, ein zentrales Fest der Hindus zu Ehren der Göttin Durga.

Kolkata ist noch eine letzte Bastion der von Menschen gezogenen Rikschas, auf ihnen beruht unser Vereinslogo.

 

 

 


 

Sundarbans

Die Sundarbans liegen im südlichsten Teil des Gangesdeltas an der Küste der Bucht von Bengalen und bilden mit rund 10.000 km² das größte zusammenhängende Mangrovenwaldgebiet der Erde. Etwa 60 % der Region liegen in Bangladesch, die übrigen 40 % im indischen Bundesstaat Westbengalen. Das weit verzweigte Netzwerk aus Flüssen, Kanälen und Inseln zählt zu den außergewöhnlichsten Ökosystemen der Welt und wurde aufgrund seiner einzigartigen Biodiversität zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt4.

Die Landschaft ist geprägt von Gezeiten, Sümpfen und dichten Mangrovenwäldern. Viele der mehr als hundert Inseln sind nur per Boot erreichbar. Große Teile des Gebietes liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel oder sogar darunter und sind daher besonders anfällig für Überschwemmungen. Die Mangrovenwälder dienen als natürlicher Schutzwall gegen Stürme und Sturmfluten und bieten zugleich zahlreichen Tierarten einen Lebensraum, darunter Krokodile, Fischotter, seltene Vogelarten und der berühmte Bengalische Tiger.

Für die Millionen Menschen, die in den Sundarbans leben, ist das Leben von großen Herausforderungen geprägt. Die meisten Familien bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Fischerei, Viehzucht oder das Sammeln von Honig und anderen Naturprodukten. Viele besitzen jedoch kein eigenes Land und sind von saisonalen Einkünften abhängig. Die Infrastruktur ist schwach entwickelt, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sind oft schwer erreichbar, und zahlreiche Dörfer sind von den nächstgelegenen Städten isoliert.

Besonders gravierend sind die Folgen des Klimawandels. Zyklone und schwere Sturmfluten treffen die Region immer häufiger und mit zunehmender Intensität. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel kontinuierlich an. Salzwasser dringt in Böden und Süßwasserreservoirs ein, wodurch landwirtschaftliche Flächen unbrauchbar werden und Ernten ausfallen. Ganze Inseln verlieren durch Erosion Jahr für Jahr wertvolle Landflächen, sodass viele Familien gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Für die Menschen der Sundarbans bedeutet der Klimawandel daher nicht nur eine ökologische Bedrohung, sondern auch den Verlust ihrer Lebensgrundlagen.

 

 

 

  Literaturtipps:

  • Ravi Ahuja / Christiane Brosius (Hg.): Mumbai - Delhi - Kolkata. Annäherungen an die Megastädte Indiens, 2006. ISBN 978-3-937603-07-0, 310 S., 19,80  Euro
  • Rabindranath Tagore: Der Ruf der weiten Welt. Erzählungen. Aus dem Bengalischen übersetzt von Nirmalendu Sarkar. ISBN 978-3-937603-92-6, 130 S., 15,00 Euro
  • Lapierre, Dominique: Stadt der Freude  ISBN 978-3442422289
  • Trojanow, Ilija / Bohnhof, Anja: Stadt der Bücher ISBN 978-3-7844-3293-9
  • Ghosh, Amitav: The Calcutta Chromosome ISBN 978-1848544154
  • Lange, M.: Multidimensional poverty in Kolkata’s slums: towards data driven decision making in a medium-sized NGO, Journal of Poverty and Social Justice, vol 29 no 1, 121–130, (2021) DOI: https://doi.org/10.1332/175982720X16034770581665

 

  Filmtipps:

  • Dr. Jack - Ein Mann Ein Leben Ein KampfStadt der Freude (1992) - Verfilmung des Buches von Dominique Lapierre mit Patrick Swayze in der Hauptrolle und Calcutta-Rescue-Freiwilligen als Statisten
  • Rajkahini (2015) - auch in diesem bengalischen Film durfte ein Calcutta-Rescue-Freiwilliger als Statist mitwirken.
  • Kahaani (2012) - in Kalkutta gedrehter Bollywood-Thriller
  • Apu-Trilogie (1950er) - preisgekrönte bengalische Filme von Satyajit Ray mit der Musik von Ravi Shankar

 

  Einzelnachweise: