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Arbeiten und Erfahrungen sammeln in der "Stadt der Freude"

von Stefanie Heckenberger, 2015

In meinem Aufenthalt von Calcutta Rescue war ich hauptsächlich in der mobilen Ambulanz eingesetzt. Es waren vier Slums, die regelmäßig angefahren wurden. Außerdem war ich noch eine Woche in der Chitpur Ambulanz, in der die Leprakranken versorgt werden.

Stefanie in der mobilen Ambulanz
Stefanie Heckenberger in der mobilen Ambulanz

Jeden Tag fuhren wir mit dem Bus in einen Slum. Täglich kamen im Durchschnitt 30 Patienten, die in der mobilen Ambulanz versorgt wurden. Es wurden Verbandswechsel bei frischen und alten Wunden, bei Verbrennungen, sowie bei Leprakranken durchgeführt. Einige benötigten "nur " Medikamente. Die Straße ist natürlich ein hygienisch schlechtes Umfeld. Trotz Schmutz, Lärm, Gestank und Hitze haben die Mitarbeiter und ich versucht, die Verbandswechsel so gut es ging hygienisch zu verbinden, was uns meines Erachtens den Umständen entsprechend auch gut geling. Ich bin der Meinung, dass die Mitarbeiter in der mobilen Ambulanz die größte Herausforderung von Calcutta Rescue zu leisten haben, da sie das ganze Jahr über dem Wetter ausgesetzt sind. Von sehr heiß im Hochsommer bis zur Überschwemmung in der Regenzeit. Davor hatte ich sehr großen Respekt, da mir persönlich die Hitze sehr zu schaffen machte.

Besonders blieb mir ein Mann in Erinnerung, der während meinem Aufenthalt in der mobilen Ambulanz mit Maden im Bereich des Steißbeins kam. Er hatte ein ca. 20 x 20 cm großes "Loch" am Steißbein, das schon nekrotisiert aussah. Beim Entfernen des bestehenden Verbandes fielen gleich mal ca. 200 Maden aus dem "Loch" am Steißbein. Die restlichen Maden in der Wunde versuchte man einzeln herauszunehmen, aber alle Maden, das war einfach nicht möglich. Er kam ein paar Tage später wieder zum Verbandswechsel und er wurde dann auch ins Krankenhaus eingewiesen. Ob er da hingegangen ist, ist fraglich. Was weiterhin mit ihm geschehen ist, konnte ich nicht mehr verfolgen.

Obwohl die Menschen in den Slums in bitterster Armut leben, war es für mich eine tolle Erfahrung zu sehen, dass die Menschen trotzdem ein Lächeln in Ihren Gesichtern hatten und zufrieden wirkten. Eine Verständigung auf Englisch war nicht möglich, nur mit Hilfe der Übersetzung der Mitarbeiter. Aber auch das hat mir gezeigt, dass die Sprache mit Händen und Füßen immer und überall möglich ist.

 

Der Aufenthalt und Einblick von CR war bisher die wertvollste Erfahrung für mich. Es sind die vielen Menschen und Geschichten, die diese Erfahrung zu einem unvergesslichen Erlebnis für mich machten.

Kalkutta ist eine Stadt mit sehr vielen unterschiedlichen Eindrücken - gute und weniger gute. Nichtsdestotrotz kann ich wirklich bestätigen, dass diese Stadt zu Recht die "Stadt der Freude" ist. Ich habe noch nie soviel Armut und gleichzeitig lebensfrohe Menschen gesehen.

Danke Kalkutta!

 

von Desiree Kappmeier

Ich kam im Herbst nach Kalkutta. Der Monsun ging dem Ende zu. Die Luft war feucht und rauchgeschwängert aufgrund der unzähligen Motorrikschas, Autos, Busse und Lastwagen, die sich auf der Straße Platz verschafften. Zu dem bestehenden Verkehrschaos kamen Laufrikschas, Kühe, Ochsenkarren und Fußgänger. Erstaunlich flink und gewandt bewegte sich jeder Einzelne in dieser Enge fort ohne daß es in diesem Verkehrschaos wesentliche Zusammenstöße gab. Die Hupe war das erste und maßgebende Verkehrsmittel weit vor der Ampel.

Während meines dreimonatigen Aufenthaltes war ich in der Tala Park Klinik eingesetzt, der Straßenklinik, deren Schwerpunkt auf Kinder- und Frauenheilkunde sowie in der Schwangerschaftsvorsorge liegt.

Ich stellte die von den Ärzten verordneten Medikamente zusammen, die dann mit Hilfe eines Übersetzers an die Patienten ausgeteilt wurden, machte Verbände und mußte die Reihen der wartenden Patienten „checken“, was ich als besonders schwierige Aufgabe empfand: Allmorgentlich stellten sich 200 bis 300 Mütter mit ihren Kindern in Reihen vor den Ärzten auf. „Checken“ hieß, die Schwächsten unter den Kranken an vorderster Stelle einzureihen, damit sie als erstes medizinisch versorgt werden konnten. Doch wer von diesen Kranken war schwerer erkrankt als der andere? Zwischen Anfang und Ende der Reihe lag ein Vormittag Wartezeit und viele der Patienten hatten bereits mehrere Tage Anreise von ihren Dörfern bis zur Klinik in Kauf genommen.

Interessant war der Einblick in die Arbeit der indischen Mitarbeiter. Die „Healthworker“ (Gesundheitsarbeiter) informierten die Patienten über Ernährung, Kinderpflege, Hygiene im Alltag, Familienplanung und vieles mehr. Ich lernte ihre Arbeit sehr schätzen. Es kamen beispielsweise immer wieder Mütter, die aufgrund ihrer Unterernährung ihre Kinder nicht stillen konnten und sie stattdessen mit nichtabgekochtem Zuckerwasser fütterten. Die Folgen waren schwere Durchfälle und Mangelerscheinungen bereits in den ersten Lebenswochen. Durch die Aufklärungsarbeit der „Healthworker“ und spezielle Ernährungsprogramme für Neugeborene erholten sich die Winzlinge gut und nahmen an Gewicht zu.

Bei der Arbeit im „Dressing room“, dem Bereich der Klinik, in dem Wunden behandelt und Impfungen durchgeführt werden, blieb mir besonders eine junge Frau in Erinnerung, die während ihrer Schwangerschaft von der Familie ihres Mannes mißhandelt und angezündet wurde und dadurch schwerste Verbrennungen am gesamten Oberkörper davontrug. Sie mußte regelmäßig mehrere Stunden mit dem überfüllten Bus von ihrem Dorf zur Klinik fahren. Wenn sie bei uns ankam, war ihr Gesicht vor Leid und Angst verzerrt. Ich weiß nicht, wie oft sie auf der Fahrt angerempelt wurde und dadurch heftigste Schmerzen erlitt. Nach regelmäßigen Verbandswechseln heilten ihre Wunden allmählich ab. Es war wunderschön sie nach so langer Zeit lächeln zu sehen.

Der Aufenthalt und der Einblick in die Arbeit von Calcutta Rescue waren eine wertvolle Lebenserfahrung für mich. Es sind die vielen Menschen und ihre Geschichten, die mir diese Erfahrung schenkten.